Ich sitze im Zug, auf dem Weg nach Saarbrücken. Noch ist es dunkel, die Uhr wurde gerade umgestellt. langsam kriecht der Nebel über die bunt braunen Baumwipfel und zeichnet die Landschaft hinter dem grauen Himmel ab. Der Zug führt mich in die Vorlesung zum vierten Semester in Saarbrücken. Eigentlich wäre am Sonntag für mich Frankfurt Marathon gewesen, aber kaputte Füße hinderten mich am Start. Wegen der Verletzung war ich dann jetzt einige Zeit nicht im Training. Aber jetzt beginnt es wieder. Im Herbst. Was ein Blödsinn, wieso ausgerechnet jetzt mit dem Training beginnen? Ganz einfach dieses Jahr möchte ich mein Gewicht über den Winter unter einer Bruttoregistertonne halten. Und damit ich auch wirklich laufen gehe, und nicht wie die letzten winter pro forma mal alle 2 Wochen um den Block wanke wird der Bienwald Marathon im Frühjahr gerannt. Anfang März der Termin. Das heißt es geht mit den langen Läufen schon im Januar los. Ob die Idee so gut ist? Aber immerhin hab ich ne tolle ausrede wenn es ein harter Winter wird, und der Marathon nicht gut läuft, kann ich sagen, tja, lag am Wetter, konnte nicht trainieren. Und danach? Mal schauen, Mitteldistanz im Juni, also Maxdorf oder Kraichgau wären eine Option. Und nächstes Jahr endlich mal wieder Sinzig. Und Frankfurt Marathon wäre auch eine Möglichkeit für mich. Im Herbst dann halt, aber so bleib ich übers Jahr vielleicht wach. Und 2011 wäre dann ja auch mal wieder eine Triathlon Langdistanz möglich. Frankfurt? Roth? Aber das ist momentan alles Zukunftsmusik. Momentan geht das Studium ganz eindeutig vor!
Mittlerweileist der Nebel ein wenig aufgebrochen und ein paar Herbstsonnenstrahlen scheinen auf die bunten Blätter. Eine Symphonie von Orange-brauntönen wiegt in den Blättern, und manches Laub verabschiedet sich vom Baum, fällt Pirouetten drehend auf den Boden, bald bin ich an der uni, werde mich zuerst als Hiwi in der Vorlesung meiner Professorin darin üben Overhead Folien zu wechseln, danach werde ich mir anhören wie sich die griechische Archäologie entwickelte, und dann stehen drei Stunden am Lehrstuhl auf dem Plan. Und eigentlich bin ich viel zu müde, nur Kaffee und red Bull halten wach…
Und schon wieder ist der Tag geschafft. Es ist Abend. Und es ist schon fast dunkel. Die Sonnenstrahlen sind Nieselregen gewichen. Novemberwetter. Die nassen Blätter kleben braun auf dem grauen Asphalt. Der Zug fährt an den Lichtern vorbei. Geschäftigkeit auf den Parkplätzen, noch eine Stunde im Zug, dann zu Fuß vom Bahnhof nach Hause. Dort ein wenig werkeln, Emails checken, essen, trinken, eventuell abwaschen. Und dann umziehen die schuhe schnüren. Trotz eines langen Tages die Lebensgeister nochmal wecken. Den inneren Schweinehund überwinden. Dem regen trotzen. Im Dunkeln laufen, angetrieben durch die Musik. Die Motivation des nächsten Wettkampfs vor dem inneren Auge. Laufen, einen Fuß vor den anderen, Schritt für schritt, einfach durchhalten, dann klappt das schon.


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