06. Juli 2008, der Wecker klingelt. Bin ich wach? Hab ich überhaupt geschlafen? Egal. Hat ja jetzt eh keinen Sinn. Brot schmieren! Milchreis futtern, bissel was trinken. Alle Flaschen jetzt auffüllen. Mit mitgebrachtem Volvic, Neu-Isenburger Leitungswasser vertrau ich nicht. Gel-Packs in die Gelflasche drücken. Nochmal alles zusammenklauben und in die Tasche. Aber hab ich auch alles dabei? Gut, Tasche nochmal ausräumen und pedantisch wieder alles überprüfen. Glaube hab alles. Wenn nicht isses mir jetzt auch egal! Ab ins Auto und zum Langener Waldsee. Sommersonnenwende ist erst ein paar Tage her. Trotzdem ist es um kurz nach 5 Stockdunkel. Parkplatz noch auf dem Gelände bekommen. Eine Schar Menschen trottet mit mir in Richtung T1. Fast alle sind ruhig, es hat etwas von einer Prozession. Ständig spürt man die prüfenden Blicke der anderen Athleten auf seiner Haut. Und Ständig ertappt man sich selbst beim Ausloten der Stärke desjenigen der gerade neben einem läuft. Wechselzone erreicht. Normaler Wahnsinn. Zwischen Leuten die panisch ihre Reifen aufpumpen, Leuten die Ihre Wechselzone einrichten, Athleten die Dehnübungen machen oder sich aufwärmen sitz ein Mann auf dem Boden. Klassischer Meditationssitz, geschlossene Augen und meditiert. An meinem Wechselplatz angelangt überkommt mich auch der Drang zur Hektik. Eigentlich muss ich nur die Flaschen in die Halter stecken. Helm Schuhe alles andere ist ja schon bereit. Auch die Reifen sind schon vom Vortag präpariert. Egal. Wie gern verfällt man in die Anfängerfehler. Also nochmal Luftablassen und nochmal aufpumpen, frische Luft tut sicher auch dem Reifen gut. Flaschen nochmal aus dem Halter und dann wieder rein, Rad von der Stange nehmen, zweimal um sich selbst drehen, total Sinnlose Maßnahme, aber Hauptsache nicht der Tatsache gewahr werden, das es in 45 Minuten schon losgeht. Wieder Bauzaun, wieder vom Supportteam verabschieden. Beim ersten Mal war’s nicht einfacher, aber auch nicht schwerer… komisches Gefühl… Nun ja jetzt gibt es kein Weg zurück, die Profis sind im Wasser die Agegrouper zieht es nach.
Dran denken, schön weit hinten einordnen, in der ersten Schwimmrunde Bojen links, in der zweiten Runde Bojen rechts. Wenigstens diesmal mit Neo im Wasser. Ich reihe mich in die Zehnte reihe ein. Ein geschiebe, geschubse, gedrücke… Plötzlich werde ich angeschnauzt ich solle von der Leine weggehen! Welche leine? Huch da ist ja ne leine! Verdammt warum ist hier ne Leine? Und warum sagt der gerade noch 10 Sekunden bis zum Start? Und wieso sind vor mir keine anderen Schwimmer mehr? Und wieso knallt es jetzt? Und wieso kassiere ich Prügel? Scheiß Massenstart! Raus aus der Meute und schön Rhythmus finden, beim atmen sehe ich schön auf der rechten Seite die Bojen… Schöne Gruppe gefunden… aber was ist das? Warum schwimmen wir jetzt alle nen Bogen? Und wieso schwimmt da drüben eine Gruppe von 1800 Mann…OH FUCK, stimmt, erste Runde Bojen LINKS! Fängt ja richtig gut an. Björn, mach einfach dein Ding! Nach knappen 1000 Metern Spüre ich wie meine linke Wade zu geht. Krampf! Fängt nicht nur gut an, geht auch gut weiter! Einfach weiter machen. Rede dir ein du seist locker, dann klappt das schon! Landgang, Beine lockern, PSV Support sehen, freuen! Weiter paddeln! Stupide Sache das ganze rumgeplansche, aber bald isses rum! Da schwimmausstieg, Blick auf die Uhr, oh man, mit Neo langsamer als 2006 ohne…verdammt! Doofe Krämpfe! Raus aus dem Neo, Support sehen, wieder freuen.
Ab aufs Rad, Druck machen. Boah und was für Druck. Die Schilder mit 10 km, 20 km, 30 km und 40 km fliegen nur so an mir vorbei. Nur knapp mehr als ne Stunde gebraucht. Björn, du weißt das das BÖSE enden wird. Und siehe da, bei km 45 auf dem rad der erste Krampf. Trinken, Salztabletten, Locker bleiben, bissel rausnehmen. Treten, schauen, winken, Radprogramm in Frankfurt halt… Bad Vilbel, Kreisel. Menschenmassen, ich sehe einen Kopf dort alle überragen, Ray! Cool, schön den nach dem radaufstieg direkt wieder zu sehen! Ach die anderen scheinen auch dabei zu sein, sehr gut… Heartbreak Hill hoch, ich sehe einen Mann mit weißem Shirt, ich komme näher, hey, der hat ja meine Startnummer auf dem Shirt stehen… DAS IST STEFAN! Cool, ich freue mich schon auf die zweite Vilbel Durchfahrt! Krämpfe mehren sich, wind kommt auf, Bauchweh, ich wird immer langsamer! Ich statte Dixie-Land einen Besuch ab. Jetzt geht es wieder ein wenig besser, ich überhole wieder mehr. Vilbel teil Zwei. Ein Transparent auf dem Boden und eine Gruppe gut gelaunter Menschen die mich anfeuern. DAS ist mal Support. Und ich? Mach gute Miene zum bösen Spiel, denn ich hab eigentlich keine Lust mehr. Weiter geht’s nach Frankfurt. Ab durch die City, T2. Wechseln und von zwei Helfern SEHR irritiert angesehen werden. Hab ich so wirr agiert? Egal, du bist jetzt auf der Laufstrecke. Schon direkt im Wechselzelt mit Krämpfen aber wo willst du dich jetzt beschweren…
Die laufstrecke ist zu dem Zeitpunkt voll! SEHR VOLL! Nicht nur Athleten sondern Zuschauer und unbeteiligte Dritte… Altbekannter Wechsel, gehen laufen gehen laufen gehen…Bei km7 reist meine Startnummer ein, ich bin grad dabei sie zu befestigen als ich zu meinem Support komme. Jetzt geht nicht mal mehr gute Miene. Ich hab keine Lust, dafür Krämpfe, mir tut alles weh, ne Zeitverbesserung zu 06 ist auch nicht mehr wirklich drin… ALLES MIST. Man scheint mir das anzusehen. Reiß dich zusammen Björn! Weiter geht’s! Jetzt fängt die Ferse an weh zu tun. Und zwar richtig. Ach einfach ignorieren. Laufen gehen laufen gehen… Smalltalk mit anderen halten. Von Leuten überholt werden die VIEL schneller sind als ich, Leute überholen die aussehen als seien sie normalerweise VIEL schneller. Hier ein Gespräch da ein Gespräch die Laufstrecke lehrt sich zusehends. Die zeit von 06 ist abgelaufen. Jetzt heißt es nur noch unter 14 bleiben. Und das wird eng denn jetzt tut jeder Schritt weh. Wenn es anfangs wenigstens noch 400 Meter zu laufen ging ist jetzt nach 40 Schluss. Aber nicht mehr weit. Ich höre den Römer. Ich verabschiede mich von den Helfern an der Strecke. Und da ist es wieder! Genau der Moment weshalb sich auch diesmal wieder die Qual gelohnt hat. Jede Sekunde davon! Der Frankfurter Römer! Eine kleine Gasse ist für die Athleten frei. Links und rechts Hände, Rufe, Jubel. Ja ich bin langsam, aber sie Jubeln. Der Römerplatz, die Kulisse, die Menschenmassen, das Zieltor. Für einige Sekunden sind alle Schmerzen, der Sonnenbrand, die Übelkeit, alles, vergessen. Feiern lassen, das alles auf sich wirken lassen… Ziel, rum! Geschafft! Wieder!
Im Ziel, aber mit welcher Lehre? Ich komme wieder. Wann? Weiß ich noch nicht, aber doch ich komme wieder. Besser vorbereitet? Noch schlechter geht ja kaum! Mit freierem Kopf? Ja muss halt arrangiert werden! Und wieder mit Support, denn ohne den hätte ich es diesmal wirklich nicht geschafft, ich hätte irgendwo im Frankfurter Umland den Riis gemacht, mein Rad weggehauen und wäre heim gegangen…Aber wenn ich das nochmal mache, geb ich bescheid, vielleicht kommt dann ja wieder der ein oder andere mit?!?! Statistik fetischisten werden diesmal enttäuscht, ich hab die Werte zwar aber wer sie will soll mich anmailen!



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